Cypress Hill

"DJ Muggs kam auf 'Stairway To Heaven'"

Acht Jahre ließen Cypress Hill seit ihrem letzten Studioalbum ins Land ziehen. Mit "Elephants On Acid" melden sie sich dieser Tage bei ihrer neuen Labelheimat BMG zurück.

Nachdem sich DJ Muggs an "Rise Up" (2010) nur noch geringfügig beteiligte, schien er sich zunehmend aus dem grünen Dunstkreis der kalifornischen Band zu entfernen. Für Cypress Hills neuntes Album übernimmt er nun wieder die Produktionsleitung. Dabei bettet er indische Instrumente in das Hip-Hop-Grundgerüst ein, womit er den Frontmännern Sen Dog und B-Real einen psychedelischen Klangteppich bereitet.

Anfang August stellte sich Sen Dog telefonisch den Fragen der Musik-Presse. Nach anfänglichen Verbindungsschwierigkeiten steht die Leitung nach New York und er gibt Auskunft über "Elephants On Acid", die Unterschiede zwischen dem europäischen und US-amerikanischen Publikum, Cypress Hills Rolle für Latinos im Rap sowie das Verhältnis zwischen seiner Heimat Kuba und den Vereinigten Staaten.

Ihr habt gesagt, dass ihr mit "Elephants On Acid" eine ganz neue Welt erreichen wollt. Warum ist diese Neuerfindung so wichtig?

Ich denke, dass man sich bei jedem Projekt neu erfindet. Es ist nicht das erste Mal, dass wir etwas anderes ausprobieren. Bei "Skull & Bones" haben wir etwas Heavy Metal eingebracht, was auch eine Neuerfindung war. Es war auch wie die Wiedergeburt der Energie der Band. Also hast du die ursprüngliche Chemie und versuchst, dem etwas Neues hinzuzufügen. Es ist immer aufregend.

Der Elefant auf dem Cover erinnert an den hinduistischen Gott Ganesha. Auch die Musik verbreitet zum Teil einen stark indischen Vibe. Welche musikalische Idee stand dahinter?

DJ Muggs hat die ganze Album-Produktion gemacht. Er ist zu 100 Prozent dafür verantwortlich. Ich würde also sagen, dass es sich um eine gute Frage für Muggs handelt.

Ich weiß nicht, ob ich die Gelegenheit bekomme, mit ihm zu sprechen. Lass es mich nochmal mit einer Frage zur Produktion versuchen. Ihr verwendet auf dem Album zum Beispiel die indische Sitar, die in der Popmusik der 1960er Jahre weit verbreitet war. Stellen diese Jahre euren musikalischen Bezugspunkt dar?

Als wir aufgewachsen sind, kamen wir alle an dem einen oder anderen Punkt mit dieser Musik in Berührung. Die Jungs sind Fans von so vielen Sachen. Ich war schon immer ein großer Anhänger von indischer Musik und der Sitar. Die haben alle einen interessanten Sound. Es ist cool, diese Klänge mit Hip-Hop-Sounds zu verbinden und zu sehen, was passiert. Hip Hop, sofern er richtig gespielt wird, ist ein musikalischer Stil, der sich mit anderen Genres überschneidet und gut verbinden lässt. Es gibt jede Menge Stile, die wirklich cool klingen, wenn du sie mit Hip-Hop mischst.

Led Zeppelin gilt als eines deiner Vorbilder. "Elephants On Acid" endet mit dem Song "Stairway To Heaven", ein Titel, der eng mit der britischen Band verbunden ist. Welche Idee steckte dahinter?

B-Real hat sich einen unglaublich schönen Reim ausgedacht und Muggs hatte die Idee für den Songtitel. Von daher ist das eine weitere großartige Frage für Muggs.

"Wir sind dafür verantwortlich, dass Latino-Künstler ernster genommen werden"

Im Dezember kommt ihr nach Deutschland auf Tour. Leider wird euch DJ Muggs nicht begleiten. Woran liegt das?

So ist die Band seit drei Jahren aktiv. Vielleicht wird er uns zukünftig mal begleiten, das wäre cool. Im Moment läuft die Show in dieser Form bereits seit einer Weile.

Mix Master Mike ersetzt Muggs bei den Shows. Was schätzt du an ihm?

Vor Mix Master Mike hat uns Julio G begleitet. Mike ist ein energiegeladener DJ, der eine Menge zum Sound auf der Live-Stage beiträgt. Ihr könnt euch auf eine ausgezeichnete Show freuen. Wenn du Mix Master Mike live erlebst, wirst du wissen, wovon ich rede.

Ich bin gespannt. Die wohl größte Tournee, die ihr in Deutschland gespielt habt, war die "Anger Management Tour" 2003 mit Eminem, 50 Cent, Xzibit, Obie Trice und D12. Welche Erinnerungen hast du daran?

Oh, wow, das war eine großartige Tour. Ich erinnere mich gut. Einfach auf der gleichen Tour mit so vielen großartigen Künstlern wie Eminem und Xzibit zu sein – wow. Es war eine der größten Tourneen, die wir jemals gespielt haben, mit einem großartigen Publikum in ganz Europa.

Wie unterscheidet sich die Resonanz des europäischen Publikums von den Reaktionen in den USA?

Der Unterschied ist: Wenn wir in den Vereinigten Staaten eine sehr erfolgreiche Platte rausbringen, kommen viele, um sie zu unterstützen. Wenn das nächste Album weniger erfolgreich ist, siehst du etwas weniger Menschen bei den Konzerten. Den Europäern ist es dagegen egal, ob du gerade ein Album veröffentlicht hast oder nicht. Wir geben noch immer das ganze Jahr über unglaubliche Konzerte, ohne ein Album draußen zu haben. Sie wollen nur eine gute Zeit haben. So läuft es nicht in Amerika. Das ist der Unterschied.

Würdest du sagen, dass der US-Markt immer etwas Neues benötigt, während die Europäer mehr Respekt für die Oldschool haben?

Nein, ich würde sagen, dass die Vereinigten Staaten höchsten Respekt für die Oldschool haben. Das amerikanische Publikum legt aber größeren Wert auf aktuelle Hits. Die Europäer interessiert das nicht, sie unterstützen uns weiterhin, egal was passiert.

Euer neues Label BMG sagt in der Presseinfo, dass ihr "die ganze Latino-Hip-Hop-Bewegung" gestartet habt. Soweit ich weiß, wollten Cypress Hill immer als Hip-Hop-Band im Allgemeinen und nicht als Latino-Gruppe wahrgenommen werden. Wie sieht deine Position heute dazu aus?

Ich weiß nicht, ob wir es gestartet haben, es gab ja bereits vor uns Künstler. Als wir damals mit Cypress Hill anfingen, gab es in Los Angeles bereits Mellow Man Ace, es gab Kid Frost und A Lighter Shade of Brown. Eine ganze Reihe Latino-Künstler waren damals bereits aktiv. Wir folgten einfach auf diese Jungs. Wenn ich heute darüber nachdenke, bin ich froh darüber, dass wir einen guten Einfluss auf zukünftige Latino-Künstler hatten, die sonst einen schwierigeren Weg gehabt hätten.

Wir sind dafür verantwortlich, dass Latino-Künstler ernster genommen werden. Diese Sicht könnte ich akzeptieren. Viele Leute haben uns abgelehnt, also weiß ich wie sich das anfühlt. Wir sind die Typen, die Latinokünstlern im großen Stil die Tür geöffnet haben. Das ist etwas, was das Publikum und die Menschen im Business respektieren.

"Es ist sehr schwierig, Kubaner zu sein"

Hast du den Eindruck, dass Latinos heute im Rap ausreichend repräsentiert werden?

Es gibt eine Menge Latinos da draußen, die das nicht extra betonen, sondern einfach machen. Wenn es darum geht, ein Hip-Hop-Künstler, Rapper oder Produzent zu sein, halte ich es wie beim Sport: Bist du gut genug, um professionell mitzuspielen oder nicht? Wenn die Musik wirklich, wirklich gut ist und das gewisse Etwas hat, werden wir dich unterstützen, und wenn sie nicht so gut ist, werden wir das nicht tun. Falls jemand da draußen denkt, dass es einfach wird: Das wird es nicht, weil es viele talentierte Menschen auf der Welt gibt. Du musst also wirklich kreativ und extrem anders sein. Ich denke, bei Cypress Hill war das damals der Fall.

Du wurdest in Havanna geboren, hast also einen kubanischen Hintergrund. Welche Erinnerungen hast du an deine Kindheit?

Tatsächlich wurde ich in Pinar del Río geboren, einem Ort, der etwa eine halbe Stunde mit dem Auto westlich von Havanna liegt. Da ich sieben Jahre alt war, als ich Kuba verlassen habe, erinnere ich mich nur an die einfachen Dinge. Ich erinnere mich daran wie ich zur Schule gegangen bin und mit meinen Freunden am Strand gespielt habe. Ich erinnere mich an meine Tanten und Onkel, mit denen ich Eis gegessen habe, und an meine Großeltern. Ich habe einige Erinnerungen, die sich um die Familie drehen. Das ist alles, woran ich mich erinnere.

Unter Barack Obama hat sich die Beziehung der Vereinigten Staaten zu Kuba erheblich verbessert. Obama traf Raúl Castro und hob einige Sanktionen auf. Wie war deine Sicht auf diese Entwicklung?

Ich war einfach nur aufgeregt, dass sich etwas in Bewegung gesetzt hat, ob nun positiv oder negativ. Es passiert etwas, wenn sich Leute tatsächlich zusammen an einen Tisch setzen und miteinander reden. Dies ist ein Land, das 90 Meilen von der Küste eines anderen Landes entfernt liegt und jahrzehntelang keine Unterstützung, keine Hilfe und keine Kommunikation zur Verfügung hatte. Menschen wie meine Familie mussten Kuba aus politischen Gründen verlassen.

Wir durften mit unserer Familie dort nicht sprechen, sie nicht sehen, ihnen keine Briefe schreiben oder sonst etwas. Als das alles vor einigen Jahren passierte, dachte ich, das sei ein Schritt in die richtige Richtung. Es war irgendwie verrückt, zu diesem Zeitpunkt Kubaner zu sein, weil wir wirklich keine Verbindung zu unseren Familien hatten. Und jetzt ist das möglich. Kubaner können hin und her reisen und ihre Familien sehen. Das ist ein humanitärer Akt.

Donald Trump hat nun wieder Sanktionen gegen den Staat erhoben. Viele Exilkubaner loben ihn dafür. Woran liegt das?

Ich weiß es nicht. Es ist sehr schwierig, Kubaner zu sein. Vor allem wenn es um den politischen Standpunkt geht.

Was müsste sich denn deiner Ansicht nach in Kuba ändern?

Es geht nur darum, dass wir die alltäglichen Dinge bekommen, die jeder auf der Welt hat. Ich meine damit, in der Lage zu sein, zu essen sowie ordentliche Kleidung und eine angemessene Unterkunft zu haben. Das ist alles.

Letzte Frage: Was ist die wichtigste Erkenntnis aus 30 Jahren Cypress Hill?

Der wichtigste Aspekt, den ich aus 30 Jahren Cypress Hill gelernt habe, ist Geduld. Du brauchst sie, um im Business zu bestehen. Ich versuche, mein Temperament nicht zu verlieren, aber ich habe gelernt, wie ich mit den langfristigen Dingen umgehen muss, und darauf zu warten, dass sich Dinge entwickeln. Das ist auch in meinem Privatleben sehr hilfreich.